Über das Leben und dem kommenden Nichts

Momentan stehe ich kurz vor der Pleite. Wir überlegen gerade ernsthaft, ob wir irgendwann tatsächlich noch Insolvenz anmelden müssen. Dieser Coronamist wird uns noch lange beschäftigen und wir sind mit unserer Firma leider mitten drin und davon direkt betroffen. Vor nunmehr 11 Jahren hatten wir unsere sau-saugut gegründet und unseren Ausstieg aus dem Businessleben realisiert. Warum wir uns dieses Marktleben antun, fragt ihr euch? Mit Veranstaltungen und Festivals kann man sehr schnell, viel Geld verdienen… wenn man die Unannehmlichkeiten ausblendet und es für gegeben annimmt, dass es einfach so ist, wie es ist.

In unserer Branche ist einfach nicht genug rumgekommen, um auch unser Alter zu sichern. Schließlich wollen wir nicht in Altersarmut versinken, womöglich noch gebrechlich und ohne jegliche Hilfe. Wir nahmen daher in Kauf, dass uns Wetter, Abbruch der Veranstaltung und andere unvorhersehbare Ereignisse einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Ging ja auch bis jetzt gut. Es gab immer mal wieder Rückschläge, aber die waren echt alle kalkulierbar.

Das, was wir jetzt haben… allerdings… ist für uns zur tickenden Zeitbombe geworden. Wir vegetieren nun fast zwei Jahre herum… ab und an verdiente wir ein wenig Geld mit Veranstaltungen, die durch’s Coronaraster gefallen sind und mit unserem BBQ-Hof (der seitens Amt nur bis Ende September betrieben werden durfte). Inzwischen jedoch stehen wir vor dem endgültigen Aus.

Wir besitzen einen Hof, in den wir viel Geld gesteckt haben, zwei gestörte Hunde aus Griechenland und Spanien, die unsere Aufmerksamkeit brauchen und eine Menge Inventar für unsere sau-saugut, das in unseren Stallungen verteilt darauf wartet, wieder in Einsatz zu gehen. Mit mal Fingerschnipps und Job suchen, ist es daher nicht getan. Wir brauchen ne Menge Geld, um das hier alles zu finanzieren. Inzwischen sind wir schön verschuldet – ja klar, wir zahlen den Scheiß auch immer brav ab – nutzt aber nix, wenn wir immer wieder neue Finanzierungen beantragen müssen, um uns weiterzuhangeln. Es nervt nur noch, denn es gibt keine Aussicht auf Besserung.

Diese Coronascheiße lässt nicht locker, jeden Tag lesen wir darüber neue Hiobsbotschaften und können nicht planen. Unsere Auftragsbücher sind prall gefüllt, doch eine Veranstaltung nach der anderen fällt diesem kack Corona zum Opfer. Das Schlimme ist, wir können nichts, aber auch rein gar nichts daran ändern! Wir schliddern sehenden Auges auf unsere Insolvenz zu und sind noch nicht mal daran Schuld.

Unsere gesamten Rücklagen sind inzwischen aufgebraucht – auch die, für unsere Rente. Ich könnte den ganzen Tag vor mich hinkotzen. Dazu kommen diese ganzen bornierten und debilen Arschlöcher, die sich nicht impfen lassen wollen und nun gesellt sich dazu noch dieses Omikron.

Ich lebe seit zwei Jahren völlig zurückgezogen. Ich bin eh so ne verschrobene Alte… ich muss keine Menschen um mich herum haben. Wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich in meinem Büro am wohlsten. Das verlasse ich hauptsächlich nur noch, wenn ich auf’s Klo muss oder mit den Hunden spazieren gehe. Einkaufen übernimmt Gott lob mein Mann. Als ich jetzt, wegen Weihnachtsmarkt zwei Wochen allein war, habe ich mich von dem ernährt, was im Haus war. Unser sechswöchiger Weihnachtsmarkt… das ich nicht lache, nach zwei Wochen (eine davon nur Aufbau) war, wegen zu hohen Inzidenzwerten, Schicht im Schacht, aber das nur am Rande erwähnt.

Ich bin kein Menschenfeind, aber es läuft halt alles besser ohne. Ohne gibt’s kein Theater und man steckt sich nicht an. Und machen wir uns nix vor, aber die sind doch eh alle völlig durchgedreht. Es ist höchst selten, dass man mal auf eine Spezies trifft, die in meinen Augen noch normal ist.

Nicht auszudenken, mich nun vor’m Arbeitsamt in eine Schlange von nem Haufen von verseuchten, verblödeten und durchgeknallten Menschen einzureihen, um darauf zu warten, dass die Arbeitsamtstussi mir mein Leben vorschreiben will. Es will nicht in meinen Kopf, dass ich bald hochverschuldet bin und Harz4 bekomme und in so einer vergammelten Vierzimmerwohnung hausen muss, um auf den scheiß Tod zu warten. Und dann mit zwei Kötern, die nichts anderes kennen als Freiheit und großes Gelände. Die eine wird mir die Bude ständig vollkacken und die andere unruhig darauf warten, dass ich mit ihr in irgendwelchen hässlichen Häuserschluchten versinke, damit sie ihr Geschäft machen kann. Und dann hätte ich noch ’nen liebreizenden Ehemann, der resigniert den ganzen Tag, neben meiner scheiß Laune, seine miese Laune verbreitet, weil er der Meinung ist, er hätte versagt.

Das ist, neben allen Geldeintreibern, die mich dann nerven werden, ein echtes Horrorszenario, das nun tatsächlich ziemlich schnell eintreten kann…

Und mit dieser Aussicht aufs Leben soll ich noch positiv bleiben? Ich stiere hier inzwischen ganze Krater in die Wände und grüble über Sachen nach, die im Sekundentakt mehr und mehr unerreichbar werden. In mir tobt das Gefühl, ausbrechen zu müssen… ich weiß nur leider nicht mit was und wohin. Perspektivlosigkeit macht sich breit. Das ist ein scheiß Gefühl, das niemand von euch jemals erleben will.

Alles, was von außen zu mir dringt, fühlt sich nur noch hirnrissig an, wird zur Farce und zur hässlichen Fratze von lächerlichen Selbstverwirklichungsversuchen einer Menschheit, die es nie begriffen hat, welcher unbedeutenden Scheiße sie ständig hinterherlaufen. Der Fokus scheinbar völlig verzerrt, irren sie umher, um ihren Bullshit aus Weisheiten jedem aufzudrücken…

Es braucht doch nur wenig, um glücklich und zufrieden zu sein, wenn ich das wenigstens aufrecht erhalten könnte…

Passt auf euch auf und bleibt ihr wenigstens zuversichtlich. Ich gehe jetzt erst mal ne Tasse Meer trinken.

4 Kommentare zu „Über das Leben und dem kommenden Nichts

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  1. ♥️ Manchmal entsteht aus etwas schlechtem , etwas neues , viel besseres . Mein Mann hat vor zwei Jahren seine Arbeit verloren , es war eine englische Firma und wegen dem Brexit wurde der Standort in Deutschland aufgelöst. Für uns brach zunächst eine Welt zusammen ….Heute sind wir glücklich darüber , das es so gekommen ist . Vielleicht passiert bei euch ja auch noch etwas gutes .Ich drücke die Daumen ! Liebe Grüsse Anja

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