Geht es euch Frauen eigentlich auch so, wie mir?
Gestern war es mal wieder soweit. Ein älterer Herr, wütend von mir auch „alter Zopf“ genannt, hat offensichtlich gemeint, er könne mich belehren. Da geht ja das Messer gleich bei mir in der Tasche auf. Offensichtlich sterben dies Mansplaining-Typen einfach nicht aus.
Mansplaining
Mit Mansplaining bezeichnet man den Umstand, bei dem Männer Frauen ungefragt die Welt erklären und das recht herablassend und belehrend. Sie sprechen dabei Frauen Kenntnisse und Wissen rigoros ab.
Aber zum eigentlichen Thema:
Ich hatte zwei hochpreisige Ringe bei „s“einer Frau erworben. Bei beiden ist der Stein in Nullkommanix herausgefallen und bei einem ist der Kranz viel zu dünn verarbeitet – einmal an der Hundeleine ziehen, schon war er verbogen und ein paar Tage später dann auch eingerissen.

Da wollte der mir eine Moralpredigt halten, wie ich mit meinen Ringen umgehen müsste. So etwas würde nur geschehen, wenn man grob fahrlässig damit umgehen würde. Als ich ihm dann offenbarte, dass ich dazu aber anderer Meinung wäre und der zweite Ring zum Beispiel seltsamerweise nicht verbogen, aber der uneingefasste Stein auch gleich herausgefallen wäre … nannte er mich „gute Frau …“, gefolgt von irgendwelchen unsinnigen Äußerungen, wie „eingefasste Steine würden herausfallen, weil die Ringe verbogen sind“ usw.

Er wollte mich regelrecht für blöd verkaufen. Und ich solle ja mal nicht so unfreundlich sein … Als ich ihm dann sagte, dass ich hier keine „Ringelpietz mit Anfassen-Veranstaltung“ machen möchte, sondern lediglich eine Lösung für das Problem benötige, offerierte er mir, dass er mir den Ring gerne unbearbeitet zurückschicken möchte und er mit mir zu keiner Lösung finden würde.
Daraufhin fragte ich ihn, ob er nicht wolle oder ob das der Ansatz seiner Lösung sei. Infolgedessen dann wieder seine arrogante und herablassende Äußerung mit „gute Frau“… Woraufhin ich ihm ins Wort gefallen bin, um ihm klar zu verstehen zu geben, dass ich es mir verbitte, als „gute Frau …“ von ihm bezeichnet zu werden. Ja, dann wäre ich eben eine „böse Frau“ … so seine unqualifizierte, naive Antwort dazu. Meine Antwort: Spiele ich mit Ihnen gerade im Sandkasten, oder wollen wir hier zu einer Lösung kommen? Daraufhin hat er dann aufgelegt.
Auflegen ist eine Form der psychischen Gewalt
Kommentarloses Beenden eines Gesprächs oder Kontakts (oft als „Auflegen“ oder „Silent Treatment“ bezeichnet) kann eine Form der psychischen Gewalt sein. Wenn es systematisch eingesetzt wird, um zu manipulieren, zu bestrafen oder den anderen emotional zu isolieren, spricht man auch von emotionalem Missbrauch. Es wird genutzt, um Macht auszuüben oder Gesprächspartner regelrecht zu manipulieren, sich zu unterwerfen.
In diesem Fall hat dieser Mensch so lange herumgeeiert, bis eine Lösung nur noch darin bestand, nichts lösen zu müssen. Nach dem Motto: „Er fühlt sich erwischt, dass er kein gutes Handwerk an den Tag gelegt hat“. Um das zu kaschieren, braucht er nur genügend unverschämt und dreist sein, damit man entnervt von ihm ablässt?
Guter Mann, es tut mir so leid, dass ich nicht in dein Klischeebild von „täglich spülen Frauen ihre Hände ausschließlich in Pril“ passe und auch nichts für dich gekocht habe, geschweige denn als Clementine im weißen Kittel deinen Schiss im Klo entferne. 🫣 😂 Der war gut, oder 🤪?
Übrig bleibt die Tatsache, dass ich ihm nun eine Reklamation per E-Mail zukommen lassen habe und er darauf offensichtlich nicht reagiert (jede Wetter, dass der den Ring ohne Reparatur zurücksenden wird):
Sehr geehrter Herr Ad****
ich nehme Bezug auf unser heutiges Telefonat. Da die Kommunikation auf dieser Ebene nicht zielführend war, halte ich den Sachverhalt und das weitere Vorgehen hiermit schriftlich fest.
Zunächst weise ich die Art und Weise der Gesprächsführung sowie die persönliche Zuweisung einer Schuld an den Beschädigungen entschieden zurück. Eine herablassende Wortwahl wie „gute Frau“ oder die Unterstellung, schlecht gelaunt oder unfreundlich zu sein, ist im professionellen Kundenkontakt unangebracht. Das Telefonat wurde im Beisein von Zeugen geführt, die diesen Eindruck teilen. Ich erwarte eine Klärung der Angelegenheit auf Augenhöhe und auf einer rein sachlichen Basis.
Zum eigentlichen Sachverhalt:
- Erster Ring (verbogen, Stein herausgefallen): Der Ring hat sich bereits in den ersten zwei Wochen nach dem Kauf bei normaler Alltagsbelastung verbogen. Letztendlich hat sich der Stein gelöst. Die Materialstärke auf der Unterseite ist für eine alltägliche Beanspruchung – insbesondere bei körperlicher Arbeit im Handwerk – zu gering dimensioniert. Dass der Ring verbogen ist, ist mir bewusst. Es liegt hier jedoch kein grob fahrlässiges Verhalten meinerseits vor, sondern eine unzureichende Materialstärke für den regulären Gebrauch. Eine handwerkliche Anpassung (Verstärkung der Ringschiene) bin ich bereit zu bezahlen, sofern damit die Stabilität künftig gewährleistet ist.
- Zweiter Ring (nicht verbogen, Stein herausgefallen): Bei diesem Ring liegt keine Verformung vor, dennoch hat sich auch hier der Stein gelöst. Bei der Überprüfung sind unter der Fassung auch Rückstände einer weißen Substanz sichtbar. Auch hier ist die Fassung der Steine offenbar nicht ausreichend stabil ausgeführt worden.
Als Handwerkerin kann ich die handwerkliche Ausführung durchaus beurteilen. Es geht hier nicht um eine persönliche Kritik an Ihrer Person, sondern um die Behebung von Sachmängeln an hochpreisigen Schmuckstücken.
Ich bitte Sie daher, mir zeitnah einen konstruktiven Vorschlag für die fachgerechte Nachbesserung beider Ringe zukommen zu lassen. Den zweiten Ring kann ich Ihnen, falls die Bereitschaft für eine Reparatur vorliegt, gerne zeitnah zukommen lassen.
Mit freundlichen Grüßen
Ein Hoch auf all die Menschen, die mit ignorieren meinen, sie könnten alles lösen. Ist ein anderes Thema, was man durchaus mal angehen könnte.

Hinterlasse einen Kommentar