Noch nicht Geimpfte / Impfunentschlossene sind keine radikalen Querdenker oder Impfverweigerer

Ihr schaut verwundert? Müsst ihr aber nicht. Der Blick über den Tellerrand ist elementar wichtig, um nicht selbst dazu beizutragen, die Gesellschaft zu teilen. Viele, die sich nicht impfen lassen oder noch unentschlossen sind, sind keine radikalen Querdenker oder Impfverweigerer.

Bildrecht: Angela Roesenberger, future4web.de

Aber erst einmal zu den Zahlen. 67,3 Prozent der Deutschen sind vollständig geimpft. Das entspricht 56,0 Millionen Menschen. Letzten Dienstag wurden 312.422 Menschen geimpft, dies war der höchste Tageswert seit dem August. Und dennoch sind round about 15 Millionen Menschen nicht geimpft.

In meinem vorhergehenden Artikel habe ich klare und harsche Worte gewählt. Mein Artikel spricht alle radikalen Impfgegner an, die unreflektiert, abgestumpft und teilnahmslos durchs Leben gehen. Ich glaube jedoch nicht… ich kann es mir beileibe nicht vorstellen, dass dies eine tatsächlich Mehrheit der noch nicht Geimpften und Unentschlossenen darstellt.

Warum für die meisten noch nicht Geimpften und Unentschlossenen keine Impfung in Frage kommt und wie wir damit umgehen können, das möchte ich daher gerne in diesem Artikel auflösen.

Gespräche mit Impfunentschlossene und noch nicht Geimpften

Ich habe in den letzten Tagen mit allen möglichen Impfunentschlossenen gesprochen und viele neue Eindrücke mitgenommen.

In den Medien wird immer nur von Impfverweigerern gesprochen und das widerstrebt mir mächtig. Wir drängen damit Leute an die Wand, und grenzen sie pauschal einfach mal aus der Gesellschaft aus! Ist das in Ordnung und ethisch vertretbar? Oder sind wir es, die nicht genügend aufgeklärt haben? Sind wir es, die nicht frühzeitig die richtigen Stellschrauben gedreht haben? Haben wir politisch, moralisch und ethisch versagt?

Gestern Abend sprach ich mit einem Freund, der mittlerweile nach Schweden ausgewandert ist. Er hat sein Geschäft in Deutschland aufgeben müssen und baut sich gerade eine neue Existenz in Schweden auf. Er spricht deutliche Worte:

Ich bin mittlerweile geimpft, denn sonst könnte ich meinen Job nicht ausüben. 70% der Hospitalisierten seien in Schweden momentane Impfdurchbrüche. Was ist das für eine Impfung? Der Impfstoff hält doch nicht, was er verspricht! Und die Situation würde doch anders aussehen, wenn wir in Deutschland noch alle Intensivbetten, wie im letzten Jahr hätten.
Alle die Kritik äußern, werden in dieses Narrativ geschoben, Impfverweigerer oder Querdenken zu sein. Ich bin weder braun, noch Antisemit… ich finde es nur absurd, dass man als Kritiker an den Maßnahmen gleich in diese Richtung gedrängt würde. Ich bin sonst auch gegen alles geimpft – ich bin alles andere als ein Impfgegner. Ich sehe nur diese Art Impfung als kritisch an. Es wird mittlerweile gar nicht mehr diskutiert, es wird alles nur noch als eine Religion betrachtet. Ich empfinde es als gruselig, wie wenig man inzwischen verschiedener Meinung sein kann. Früher konnte man sich noch die Köpfe rauchig reden und wir sind trotzdem Freunde geblieben. Heute wirst du nur noch fertig gemacht, wenn du eine andere Meinung vertrittst. Untereinander bis in den engsten Freundeskreis spielen sich doch momentan Tragödien ab, wenn man nicht einhelliger Meinung ist.
Ich nehme das sehr ernst und will Corona keinesfalls bekommen. Meine Freunde, die nicht geimpft sind, wollen den Virus auch nicht haben. Die sind keineswegs alle nur doof, wie das in der Öffentlichkeit immer dargestellt wird.
Wir haben Angst vor Ausgrenzung. Die Zustände, wie in Australien, wollen wir nicht, das ist mehr als grenzwertig.
Ich sehe es kritisch, momentan auf Veranstaltungen zu gehen, wo so viele Leute sind – ich halte das für eine ganz trügerische Geschichte. Ich halte gar nichts davon, dass die ganzen geimpften Idioten jetzt der Meinung sind, eine riesige Party machen zu können. Sie gefährden damit die Gesellschaft genauso so, wie Ungeimpfte, die sich einen Dreck darum scheren, ob sie was weitergeben oder nicht. Wieso werden Test’s jetzt in Frage gestellt? Darin sehe ich nur das Motiv, die Leute zum Impfen zu zwingen. Die Leute, die sich testen lassen, sind höchstwahrscheinlich sogar die sicheren Partygänger als alle anderen. Ich sehe in Deutschland ein grandioses Politikversagen und das wird einfach auf Impfunentschlossene abgebügelt, die sich wahrscheinlich mehr Gedanken machen, als manch andere. Weltwirtschaftsmäßig steuern wir gerade auf eine ganz große Nummer zu. Das ist ein Gesamtcocktail aus allem, das wird alles fein kaschiert und schöngefärbt.
Schweden ist nicht das Land der Unvernunft, wie immer gesagt wird. Wir haben hier gerade ein Inzidenz von etwas über 50. Alle hier sind trotzdem behutsam und wachsam. Wer sich impfen lässt, der soll es tun und wer nicht, auch gut.

Ein anderer Fall, kürzlich im Spiegel veröffentlicht, betrifft eine Frau, die unter chronischer Darmentzündung leidet. Sie hat sich 2019 impfen lassen und dabei einen heftigen Schub erlitten, der sie ein halbes Jahr beschäftigt hat. Ein normales Leben war in dieser Zeit kaum möglich. Sie wird sich kein weiteres Mal impfen lassen, denn die Gefahr, einen neuen Schub zu riskieren, ist ihr zu hoch. Am Anfang hat sie daran geglaubt, dass das Impfen aus der pandemischen Lage befreien würde. Doch die momentanen Inzidenzen, die noch nicht so hoch waren, wie heute, sagen was anderes. Wenn von Anfang an gesagt worden wäre, dass es sich bei der Impfung um eine temporär wirkende Unterstützung handelt, könnten die Leute ernsthafter damit umgehen. So fühlen sich die Menschen doch nur veräppelt, wenn jetzt vom Boostern gesprochen wird.

Ein Satz hängt mir in den Ohren: Ich lasse mich nicht impfen, denn ich müsste unterschreiben, dass ich mit allen damit verbundenen Schäden einverstanden wäre. Das bin ich allerdings nicht!

Jetzt braucht man schon eine dritte Impfung. Haben die ersten zwei doch nicht’s bewirkt? Wie oft werden wir uns noch impfen lassen müssen? Ich kann die Beteuerungen der Stiko oder Politik einfach nicht mehr ernst nehmen.

Eine Freundin lässt sich in der Woche dreimal testen. Sie ist der Meinung, dass die Test’s mehr aussagen, als eine trügerische Impfung, die alle Geimpfte in Sicherheit wägen, wo es keine gibt. Sie würde auf keine Veranstaltungen gehen und geht jeder Menschenansammlung aus dem Weg. Restaurantbesuche schlägt sie, seit Anbeginn, aus. Und es mache ihr nichts aus, das noch ein paar Jahre durchzuziehen. Sich aber mit ihrer Herangehensweise gleich als Querdenker oder Impfverweigerer abstempeln zu lassen, das empfindet sie als maßlos und menschenverachtend! Das sei ein massiver Eingriff in ihre Persönlichkeitsentfaltung. Sie empfindet das als Hetzjagd – daher spricht sie mit Niemanden und schweigt darüber. Sie hat panische Angst davor, wenn sich durchsetzt, dass ihr Arbeitgeber davon erfahren muss. Damit würde sie an den Pranger gestellt und das vor versammelter Mannschaft. Ihre Arbeit bedeutet ihr sehr viel, zwei drittel ihres Lebens würde das schließlich ausmachen und sie hat lange dafür gekämpft, so ein Ansehen und diese Art von Akzeptanz in der Firma genießen zu können. Was sie momentan erkennt, sind gefährliche Abgründe der Gesellschaft, die sich durchaus verselbständigen können oder auch bereits getan haben.

Viele, mit denen ich gesprochen haben, stellen den Impfstoff an sich in Frage. Die mRNA-Wirkstoffe seien eine neue Technik, die durchaus ein unkalkulierbares Risiko in den Nebenwirkungen, auf langer Sicht, darstellen könnten. Die Frage steht im Raum, ob sich der Impfstoff auf die Fruchtbarkeit und die Gesundheit eines ungeborenen Embryos auswirken könnte. Ein Totimpfstoff wäre der vertrautere Weg, den die meisten bevorzugen würden.

Von gesellschaftlichen Grabenkämpfen ist die Rede. Von Ausgrenzung, Stigmatisierung, Hetzjagt, Mobbing, dem politischen Druck beugen, gesellschaftliche Gräben, nicht willkommen zu sein, Narrativ der Ungeimpften, nur noch zwischen geimpft und ungeimpft unterteilt… die Liste ließe sich endlos vorführen. Mit 2-G würde die Gesellschaft noch mehr auseinander getrieben. Wenn sich alle einfach testen ließen, hätte man wieder eine gemeinsame Zielrichtung, gegen Corona vorzugehen.

Nachwort

Ob sich die Gesellschaft wieder zusammenfindet und wie eine Aussöhnung aussehen könnte, ist heute noch nicht absehbar.

Ich bin dankbar für den Weitblick, ich bin dankbar dafür, dass ich neugierig und offen dafür bin, Meinungen zuzulassen, hinzuhören und darüber zu reflektieren.

Ich muss mir an die eigene Nase fassen, denn auch ich verspüre Wut und Verzweiflung, dass es nicht vorangeht. Dass wir immer noch auf der Stelle treten und keine Ende in Sicht ist, macht mich krank. Ich bin unmittelbar davon betroffen, meine wirtschaftliche Lage bröckelt an allen Stellen. Ich verdiene schließlich mein Geld mit Veranstaltungen. Mein Mann hat es heute früh richtig gesagt: Ich habe mich selten so hilflos gefühlt. Er befindet sich momentan auf dem Weihnachtsmarkt, der heute startet und wir beten, dass die Weihnachtsmärkte nicht doch noch in letzter Minute abgesagt werden. Es wäre verständlich, wenn’s passiert. Mir ist auch nicht wohl dabei, die Vorweihnachtszeit zu feiern und auf den Intensivstationen krepieren sie elendig…
Für uns jedoch bedeutet das Aus, von einer Insolvenz bedroht zu werden. Wir wären die Verlierer, unsere Altersreserven sind bereits aufgebraucht, unser Haus noch nicht abbezahlt, fast 60 Jahre und keine Aussicht auf dem Arbeitsmarkt… Ja, auch wenn man dreimal geimpft ist – es toben auch in uns Ängste.

Ich fühle mich allen verbunden, nur nicht mit denen, die rein aus der Geltungssucht heraus der Meinung sind, anderen Angst zu machen, um unserer Gesellschaft zu schaden. In meinem letzten Artikel haben ich das ziemlich deutlich zum Ausdruck gebracht.

Ich bin nun dreimal geimpft und ich hoffe, dass Langzeitfolgen ausbleiben. Mein Rheumawert ist über 500 – Gott sei es gedankt, dass nach den Impfungen kein Schub erfolgt ist. Ich bin relativ unbeschadet da durchgekommen.

Kein Brandmarkung für Unentschlossene und Nichtgeimpfte

Ich hoffe allerdings, dass alle Unentschlossenen ihren Weg finden, ohne dass sie gebrandmarkt werden. Das darf sich keinesfalls entwickeln! Übrigens ist das die Strategie von Attila Hildmann, damit er danach sagen kann: Seht ihr, das ist Diktatur, wo vor ich euch gewarnt habe – dieser Schwachmat! Brandgefährlich ist diese Tendenz. Und das machen sich genügend (die braune Suppe etc.) zu eigen, impfen das jedem naiven Blümchen ein, damit sich auch jeder zurückversetzt fühlt.

Wer sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht impfen lassen will, muss seinen Weg unbehelligt gehen dürfen. Wir leben schließlich in einer Demokratie.

Mir ist dieses aggressive Verhalten seitens Regierung nicht geheuer. Mir ist unwohl dabei, wenn man so mit dem Finger auf Unentschlossene zeigt, ohne zu differenzieren. Das macht auch mir Angst. Da wird so viel Geld für Berater ausgegeben… nach meiner Meinung, ist das Pferd, von Anfang an, falsch aufgezäumt worden. Anstatt dass es heißt: Einschränkungen für Ungeimpfte, hätte es heißen müssen: Wir führen zu eurem Schutz die 2-G-Regel ein – damit die Gefahr minimiert wird, dass ihr euch ansteckt. Das hätte wie ein roter Faden durch alle Maßnahmen laufen müssen. Immer mit der Achtung und dem Respekt vor der Entscheidung, sich momentan nicht impfen zu lassen. Das hätte eine ganz andere Außenwirkung gehabt. Hier mit Druck an die Sache zu gehen, bedeutet doch nur, dass man als Unentschlossener und Nichtgeimpfter blockiert und sich angegriffen, unverstanden und ausgegrenzt fühlt. Nach dem Motto: So lange du die Füße unter meinem Tisch hast, wird gegessen, was auf den Tisch kommt? Geht mal gar nicht!

Und machen wir uns nichts vor, es geht von uns Geimpften genauso eine Gefahr für andere aus, wie bei Ungeimpften. Auch wir stecken an, wenn wir den Virus in uns tragen. Wenn auch vielleicht nicht so lange… aber wer weiß das schon.

Signalwirkung

Von uns Geimpften muss eine Signalwirkung ausgehen, wir müssen uns Solidarisieren. Wir müssen genauso Masken tragen, uns testen lassen und notwendige Abstandsregeln einhalten – eben aus Solidarität und aus Gründen der Rücksichtnahme anderen gegenüber. Dann fühlt sich das alles gut an.

Trotzdem… die derzeitige Lage ist momentan sehr dramatisch!

Die Aktuelle Brandrede von RKI-Chef Wieler zur Corona-Lage: Es herrscht eine Notlage in unserem Land.

Update

Gerade erst gefunden und es erfreut mich, das zu lesen. Christian Drosten berichtet in der neuen Ausgabe der Zeit: Es gäbe keine Pandemie der Ungeimpften, wir haben eine Pandemie! Es gäbe ein Narrativ, dass er für vollkommen falsch hält: Die Pandemie der Ungeimpften.

Danke!

Zwar sind wir als Geimpfte weniger betroffen, jedoch nehme auch bei uns nach Monaten der Impfschutz ab. Und die Delta-Variante habe die Eigenschaft, sich trotz Impfung zu verbreiten. Wichtig sei es, das Geimpfte sich boostern lassen. Er geht noch weiter, man müsse bedenken, dass wir den Virus nicht wegimpfen werden, schließlich kann man nicht die ganze Weltbevölkerung impfen. Aber auch, weil Immun-Escape-Varianten auftreten werden, gegen der Impfstoff nichts ausrichten kann. Man müsse bewusst in die endemische Phase (Nachseuchungsphase) eintreten, in der durch natürliche Infektion das Immunsystem aufgefrischt wird.

Es bleibt also spannend.

2 Kommentare zu „Noch nicht Geimpfte / Impfunentschlossene sind keine radikalen Querdenker oder Impfverweigerer

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  1. Ich kann die Argumente des Bekannten, der nach Schweden ausgewandert ist, schon nachvollziehen. Fakt ist jedenfalls, dass eine Impfung IN DER REGEL gegen einen schweren Verlauf der Krankheit wirksam ist.

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