Unruhe verspüren – würde das helfen?

In den letzten Tagen nehme ich in allen möglichen Medien wahr, dass man gerade wegen der anrollenden Omikron Welle darüber nachdenkt, welche Auswirkungen es haben würde, wenn Arbeitskräfte ausfallen. Man spricht von Feuerwehr, Pflegekräfte, Klinikpersonal und Polizei.
Eigentlich denke ich nicht erst seit heute darüber nach – ich bin aus diesem Grund sehr verwundert, dass erst aktuell eine Diskussion darüber entfacht wird. Haben wir dazu alles verpennt? Wo sind die schlauen Köpfe und Analysten geblieben? Oder mag oder darf man darüber nicht sprechen? Würde es das Volk verschrecken und in eine gewisse Schockstarre oder sogar Panik versetzen?

Ich nehme Sie mal mit … auf eine Reise, die nicht jede/r lesen sollte. An alle dünnhäutigen Leser/innen unter euch sei gesagt, lasst es bitte! Steigt ab hier lieber mal aus. Es würde zu sehr belasten. Oder lest bitte erst wieder ab dem Abschnitt „Komplexität des Lebens“ weiter.

Der Anfang vom Ende oder doch nur die Matrix?

Nicht die Krankheit wird uns umbringen. Sondern die Furcht. Menschen benötigen offensichtlich lange, um zu verstehen, was vor sich geht. Wir glauben, die Gesellschaft steckt alles weg. Aber wir beachten dabei eins nicht: die Komplexität!

Bei der Grippepandemie von 1918 sind zwischen fünfzig oder sogar hundert Millionen Menschen gestorben. Aber die Zivilisation ist nicht zusammengebrochen. Jedoch bestand damals nicht so eine Abhängigkeit, wie heute. Heute besitzen wir fragile Netzwerke und lange bzw. weltweit vernetzte Lieferketten. Industriebetriebe beziehen Komponenten aus Dutzend verschiedenen Ländern. Wir importieren einen Großteil unserer Nahrung von überall her. Damals konnte keiner die Vielzahl von Nachrichten lesen, wie wir es heute tun.

Wir werden bei einer Pandemie im hohen Ausmaß zusehen, wie die ersten Opfer, egal wo auf der Welt, sterben und wie ihre Leichen begraben werden. Damit fängt es allerdings nur an.

Was uns den Rest geben wird, ist der Verlust einiger weniger, entscheidender Personen. Eben wichtige Ingenieure in Kraftwerken, Lkw-Fahrer, Arbeiter in den Ölraffinerien, zum Beispiel. Oder Leute, die Lkws abladen …

Wenn die Menschen krank oder verängstigt sind, wird ein Zusammenbruch mit erschreckender Geschwindigkeit erfolgen.

Städte werden innerhalb von drei Tagen ohne Nahrung dastehen – noch eher, wenn es zu Panikkäufen kommt. Das Land wird innerhalb von zwei Tagen keinen Treibstoff mehr haben. Wasseraufbereitungsanlagen wird innerhalb von einer Woche das Chlor ausgehen. Woher dann aufbereitetes Wasser beziehen?

Kraftwerke stellen den Dienst ein, weil die Menschen dazu fehlen, diese zu bedienen. Wenn nur ein Viertel der Arbeiter eines Kraftwerkes nicht mehr zur Arbeit erscheinen, bedeutet es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit, dass das Kraftwerk dicht machen muss.

Ohne Strom, kein Geld mehr aus dem Automaten, Firmen können ihre Angestellten und Lieferanten nicht mehr bezahlen. Kassen funktionieren auch nicht mehr und Zapfsäulen auch nicht.

Fast die Hälfte unserer Stromerzeugung beruht auf Gas, und wir haben weniger als zwei Wochen Gas als Reserve. Wenn Supertanker kein Gas mehr liefern, wirds dramatisch. Ohne Strom fallen Kraftwerke aus, ganz zu schweigen von Telefon, Mobilfunknetze, Fernsehen, Radio, Internet … die Kommunikation wird völlig zum Erliegen kommen.

Stellt euch das einmal vor, aus dem Radio hört ihr nur noch rauschen, du kannst die Familie und Freunde nicht mehr anrufen und auf dem PC erscheint nur ein schwarzer Bildschirm.

Du drehst das Wasser auf und es passiert nichts. Man hat kein Wasser zum Waschen, Trinken oder für die Toilettenspülung.

Im Supermarkt gibt es nichts mehr zu Essen und Trinken. Die meisten davon haben eh nur Vorräte für 24 Stunden – mit Panikkäufen sind Regal schnell, wie leer gefegt. Die meisten Supermärkte arbeiten just in time; die neue Ware kommt genau dann an, wenn die alte verkauft ist.

Die Geschwindigkeit, mit der sich alles verändert, wird viele überraschen. So etwas könnte innerhalb von Stunden passieren.

Als Erstes kommen die Plünderer und Leute, die mit Gewalt an Nahrungsmittel kommen wollen.

Die Gesellschaft ist nur drei volle Mahlzeiten von der Anarchie entfernt

Die Menschen warten verzweifelt auf Nachrichten, doch hören sie nur Gerüchte. Und Gerüchte tendieren dazu, mit jedem Weitererzählen noch Furcht einflößender zu werden.

Am Horizont lassen sich mittlerweile Rauchschwaden und Feuer erkennen, überall da, wo Randalierer am Werk sind. Aus Angst werden die Häuser verrammelt und zugenagelt. Doch das macht das Ausmaß noch schlimmer. Arbeitskräfte bleiben nun zu Hause, um ihr Hab und Gut zu sichern. Weitere Industrie macht dicht. Die Lieferketten werden mehr und mehr unterbrochen.

Krankenhäusern wird das Material ausgehen. Die Polizei und Armee – das, was davon noch übrig ist – kann die Lage nicht mehr kontrollieren. Niemand wird die Einhaltung der Gesetze überwachen. Innerhalb eines Monats wird die totale Anarchie herrschen. Die Gesellschaft bricht mehr und mehr in sich zusammen.

Bauern werden geplündert und das Vieh geschlachtet. Die Ernte kann nicht eingefahren und das Korn nicht weiterverarbeitet werden.

Eine weltweite Pandemie wird dafür Sorge tragen, dass der Schifffahrtsverkehr zum Erliegen kommt. Das bedeutet enormen Verlust an Öl und Gas für die Welt. Die Welt benötigt pro Tag achtzig Millionen Barrel Öl. Russland liefert davon zehn Millionen Barrel. Der Rest kommt von allen möglichen anderen Staaten.

Das war ein Auszug aus dem Roman „Der Wal und das Ende der Welt“
Seerose in Weiß

Komplexität des Lebens

Vielleicht lese ich zu diesem Zeitpunkt einfach das falsche Buch. 🤣 Doch auch wenn es nur ungefähr passieren würde … es wäre nicht auszudenken, wie schnell für uns das Leben zum puren Überlebenskampf werden würde.

Ich mache mir meine Gedanken dazu, denn ich erkenne die Kaskade aus Konsequenzen, die allein von Erschütterungen der internationalen Lieferketten ausgehen würde. Siehe jüngstes Beispiel in England. Heute noch fehlen Lkw-Fahrer, die diese Lieferketten eigentlich aufrechterhalten sollen und die Auswirkungen sind für die britische Gesellschaft deutlich spürbar.

Ich glaube, es wird klar, wie fragil unser Lebenskonstrukt ist, oder? Und wovon das alles abhängig ist, geht daraus auch grob hervor. Wir leben heute in einem komplexen Konstrukt, wo alles von allem abhängig ist. Brechen uns nur einige wichtige Schaltkreise weg, wird es für uns äußerst dramatisch.

Wenn wir darauf herumtrampelt und zu leichtfertig damit umgehen, kann es morgen schon zu Ende sein. Wir können die Welt auch nicht einfach erklären, die Komplexität lässt sich kaum noch berechnen, wie sollen wir sie dann all umfänglich verstehen können? Ja, wir leben bereits mitten in unserer Matrix.

Trotzdem oder gerade deswegen ist es so wichtig, unsere Welt, das Miteinander, die Gesellschaft, unser Land, alle Länder, die Umwelt, unsere Gesundheit und was mir gerade nicht einfällt, zusammenhängender zu betrachten.

Auf 3-Sat gab es vor einer Woche die Wissensdoku Scobel mit dem Thema: Mit Komplexität leben. Höchst interessantes Thema dazu. Kann ich allen nur empfehlen! Nachfolgend und passend dazu das exponentielle Kurvenwachstum. Insbesondere, um die Fallzahlenentwicklung in der Coronapandemie in ihrer Komplexität zu verstehen und einschätzen zu können. Auch dazu gibt es auf 3-Sat eine Wissenschaftsdoku und handelt von: Das Prinzip Seerose.

Wenn sich das Wachstum einer Seerose auf einem Teich jeden Tag verdoppelt und nach zehn Tagen der ganze Teich bedeckt ist, wann ist er zur Hälfte zugewachsen?

Hättet ihr es gewusst?

Lösung: Am neunten Tag ist der Teich halb zugewachsen und nicht, wie viele intuitiv vermuten würden, etwa zur Hälfte der Zeit.

Das nennt man exponentielles Wachstum, es zu begreifen ist nämlich gar nicht so einfach, weil es komplex ist. Exponentielle Verläufe haben zu unserem Wohlstand geführt. Andere Verläufe könnten das Gegenteil erwirken und unser Leben bedrohen. Für uns ist es daher wichtig, exponentielle Verläufe kognitiv zu verstehen.

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