In uns schlummert ein potentieller Attentäter?

30 Jahre und nichts dazu gelernt, oder was? Morgen sind es 30 Jahre her, als die Mauer fiel, als der ganze Krampf im Osten ein Ende hatte.

Aber gehen wir doch lieber mal weiter zurück, nämlich zu einem Datum, dass sich nur in der Jahreszahl ändert und dazu leider nicht die Wirkung hatte, wie es erforderlich gewesen wäre, um unsägliches Leid zu verhindern. 

Übrigens… auch die Reichsprogromnacht fand an einem 9. November, genauer gesagt, am 9. November 1938 statt. 

Aber zurück zum gescheiterten Mordanschlag gegen Hitler. Johann Georg Elser hat am 09. November 1939 versucht, im Münchener Bürgerbräukeller ein Bomben-Attentat auf Adolf Hitler auszuführen. Als die Bombe detonierte, war Hitler mit seiner Führungsspitze bereits seit 13 Minuten auf dem Weg zum Zug. Wäre er, wie geplant, mit dem Flugzeug geflogen… bewusst beende ich hiermit meinen Satz.

Insgeheim applaudiere ich Elser zu, ich hätte mir so sehr gewünscht, dass es klappt! Oh Gott, in mir schlummern Mordgedanken? Also wäre ich bereit zu töten, wenn mir etwas zu dubios erscheint? Konnte Elser wissen, was auf uns zukommt? Oder hätte unsere Geschichte auch ganz anders verlaufen können?

Mit welchem Recht „lege ich Hand an“? Hatte Elser Recht, indem was er tut? 

Diese Gedanken schwirren mir durch den Kopf und es sind, verdammt noch mal, berechtigte Gedanken! Also könnte ich heute schon darüber nachdenken, diesen Höcke zu ermorden? Warte ich nun auf einen günstigen Moment der Zusammenkunft dieser AfD-Brut, um sie alle in die Luft zu jagen? 

Wisst ihr, wie grenzwertig das alles ist? Ist euch bewusst, dass wir mit diesen Gedanken kein Deut besser sind, als jeder Attentäter der Welt? 

Und trotzdem tobt das gewisse Teufelchen auf meiner Schulter und es fragt mich zurecht: „Willst du warten, bis es zu spät ist?“ 

Heute wird Elser als Held gefeiert. Aber er war nicht wirklich ein Held, so leid es mir auch tut, das zu schreiben. Mit Mord löst man keine Probleme, egal auf welcher Seite man sich befindet und egal, wie sehr man meint, im Recht zu sein. 

Elser hatte den richtigen Riecher, dass die Bemühungen der NS in einem sinnlosen Krieg enden werden. Doch wissen konnte er das nicht – geschweige denn, dass zwischen 5,5 und 6,3 Millionen Juden ermordet wurden. 

Er hat also nach seinem Gefühl heraus gehandelt. Handeln Attentäter heutzutage nicht auch aus genau diesen Beweggründen heraus? Was also unterscheidet diese Attentäter von Elser?

Es ist doch berechtigt, auch einmal den Finger auf genau diese Wunde zu legen, wo es gerade so gar nicht erwünscht wird. 

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