Meinung von Angela Roesenberger:
Vielleicht ist es gut so – gut, dass der durch Faulgase aufgeblähte Walkadaver an die flachen Gewässer einer dänischen Insel gespült wurde, anstatt für immer in den Tiefen des Meeres zu verschwinden. Wie ein Mahnmal verwest er für jeden sicht- und riechbar nun vor der Küste. Insbesondere für die sichtbar, die mal wieder alles besser wissen wollten und sogar die Wissenschaft verteufelt und letztlich zum Leidwesen eines Tieres überstimmt und vergrault haben. Sich die Naturgesetze passend machen, nur um dieses Thema zu romantisieren, ist, ehrlich gestanden, eine Schande. Eigentlich habe ich nur darauf gewartet, dass aus Timmy oder Hope ein Free Willy wird.
Wale verenden elendig in Schleppnetzen
Aber keiner dachte nur im Entferntesten an all die Wale, die zu Tausenden jährlich erbärmlich in den Schleppnetzen sterben müssen, damit ihr mit verklärtem Blick eure Fischstäbchen verfuttert oder euren fetten Bälgern zum Fraß serviert.
Das einzige Gute an der Rettungsaktion war die Tatsache, dass mit der Freilassung aus dem Schwimmcontainer ein schneller Tod eintrat. Denn der entkräftete und totkranke Wal sank auf den Meeresboden und war natürlich nicht mehr in der Lage, aufzusteigen, um Luft zu holen. Er erlag dem Ertrinken, statt auf der Sandbank langsam und qualvoll zu verenden.
Jeder, der nur ein wenig denken kann, wusste es!
Die eigentliche Tragödie ist jedoch die Tatsache, dass ein Haufen emotional aufgeladener Träumer es geschafft hat, diesen groben Verstoß gegen das Tierschutzgesetz durchzusetzen.
Umweltminister Backhaus erklärt: Der Wal habe seine Chance nicht nutzen können.
Dass ich nicht lache, der hatte nie eine! Aber Menschen müssen natürlich keinem Gutachten von Experten Glauben schenken. Wichtiger ist es, Ruhe vor der eigenen Haustür zu schaffen … Schnell weg mit dem Viech, bevor es anfängt zu stinken.
Hoffnung ist kein guter Ratgeber, wenn Tierwohl an erster Stelle stehen muss.
Übrigens gilt das auch für Menschen, liebe Damen und Herren. Auch hier könnte Leid von Angehörigen verkürzt werden, wenn Menschen bereit wären, die egoistische, rosarote Brille einmal abzusetzen und endlich loszulassen. Dieses Festhalten und Klammern an etwas, was nie wieder so sein kann, wie es mal war, verlängert das Leid ins Unermessliche.
Der Wal steht dafür Pate und Sie können sich nun jeden Tag diese Erkenntnis an der dänischen Küste anschauen – mit feiner Nase und Windrichtung, ist die Verwesung wohl auch zu riechen.
Und ein Wort in Ehren, lieber Mediamarkt-Mogul: Die Kosten, die diese Rettungsaktion gekostet hat … Shit happens, für Sie und der Unternehmerin Karin Walter-Mommert wahrscheinlich nur Peanuts. Aber eins ist sicher: Deswegen werde ich jetzt auch nicht meinen nächsten TV bei Ihnen erwerben. Außerdem frage ich mich, wie Sie Tierschutz auslegen, für den Sie sich nach eigener Angabe engagieren, wenn dies Ihr normaler menschlicher Impuls war, zu helfen. Ich nehme an, dass Ihr Ziel eher darin besteht, sich in der Öffentlichkeit, so gut es geht, zu präsentieren.
Und wieder sage ich nur Tschöö mit Ö …

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