Antüdeln und Abtüdeln….

In Norddeutschland lebt es sich nicht nur nördlicher. Mit unserer intakten Nachbarschaft ist das Leben für uns spannend und wesentlich amüsanter geworden als in den ganzen Jahren zuvor.

Für uns, die mitten im Pott groß geworden sind, zudem zig Jahre in Rheinland Pfalz gelebt haben, ist das Leben im Norden anders geworden. Hier ticken die Uhren eindeutig nach den Gezeiten 🙂 Wir sind zwar noch 32 km von der Küste entfernt, aber das macht nichts. Wir spüren beim geselligen Beisammensein mit den Nachbarn deutlich Ebbe und Flut, das könnt ihr mir glauben.  Und Gründe, um uns zu treffen, finden wir immer, wie hier bei Maiks rundem Geburtstag.

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Tüdeln ist ein ernsthafte Angelegenheit

Den Ausdruck „tüdeln“ kennt und praktiziert daher auch Jeder im Ammerland. Was schon einmal wichtig ist, im Plattdeutsch bedeutet „tüdeln“ übersetzt ins Hochdeutsche: ineffektives Arbeiten. Und was die Nachbarschaft nun mit ineffektivem Arbeiten zu tun hat, das erfahrt ihr jetzt.

Mit Antüdeln und Abtüdeln ist eigentlich alles gesagt: geselliges Beisammensein, Helfen und Unterstützen, „ineffektives“ Arbeiten und Schluck! Lacht nicht, aber das ist in etwa wirklich so, wie ich es schreibe.

Unsere Nachbarn von gegenüber, Waltraud und Bernhard, feiern am Wochenende goldene Hochzeit und die Nachbarschaft ist deswegen natürlich Wochen  vorher auf den Beinen. So etwas kann ja an uns nicht einfach vorbeigehen. Vorweg versammelt sich die Gemeinschaft, um zu überlegen, was man dazu, in diesem Fall zur  goldenen Hochzeit, beitragen kann.

Also treffe sich alle Nachbarn zum ersten gemeinsamen Termin beim Gastgeber – halt bei unseren Nachbarn, die goldene Hochzeit feiern wollen. Die Themen sind Tischkrone und Girlande.

Meist geschieht das zum Nachmittag bei Kaffee und Kuchen und anschließendem Bier und Schluck! Zu diesem Termin sind wir leider nicht zugegen, weil wir ihn schlichtweg verschlafen. Wie peinlich! Unseren Nachbarn ist das jedoch ganz und gar nicht peinlich und übel nimmt uns das keiner. In unserer Abwesenheit, wird mit Waltraud und Bernhard beschlossen, welche Farben für die Blumen der Girlande infrage kommen  und ob sie eine Tischkrone benötigen.  Spät nachmittags beendet die lustige Runde ihr Treffen bei Bier und Schluck!

Hat man den ersten Termin „überlebt“ (wir ja nicht) und die meisten überstehen ihn natürlich, denn sie sind darin geübt… wird der nächste Termin allerdings nicht weniger verantwortungsvoll, wenn ich das mal so sagen darf.

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Es wird selbst Hand angelegt

Im Ammerland und dem angrenzenden Ostfriesland wird sich nämlich bei solchen Festlichkeiten zum Girlande binden getroffen. Was in anderen Gefilden Gärtnereien in Auftrag gegeben wird, nehmen wir im Ammerland selbst in die Hand.  Die Männer sind für das Girlande binden verantwortlich und die Frauen arbeiten zu. Aber so genau nehmen wir es an dem Tag nicht…

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Wir kommen allerdings mal wieder viel zu spät – wir werden von einer Nachbarin telefonisch erinnert… Und wieder ist uns das peinlich. Aber inzwischen kennt man uns und ist darauf eingestellt. So trudeln wir ein, als die Girlande schon zu Zweidrittel fertiggestellt ist. Als wir ankommen, sind die Räumlichkeiten muckelig warm und ringsherum liegen Lorbeersträucher und Efeu verteilt. Ich bekomme meinen Sekt und Arnt sein Bier und los gehts.

Wir friemeln also noch mit an der Girlande herum und packen, nachdem die Girlande fertiggestellt ist, alles fein säuberlich auf den Pickup. Danach klönen wir gemütlich bei Kaffee und Kuchen in der Hofküche, um anschließend gemeinsam zum Gastgeberehepaar, Waltraud und Bernhard aufzubrechen.

Die Blumen und Schleifen liegen bereits im Auto. Diese werden später an die Girlande geheftet.

Antüdeln

Bei Waltraud und Bernhard angekommen, erwartet Bernhard uns schon mit Schluck. Oh Gott denke ich nur… Wir tüdeln dabei die Girlande an – hierzu wird unsere Girlande rund um die Haustür an eigens dafür montierte Haken angebracht und mit Blumen verziert.

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Das Gastgeberpaar versorgt uns indes mit… na ihr wisst es ja schon…  mit Bier und Schluck! Und nun löse ich mal auf, um was es sich beim Schluck handelt… dabei geht es schlichtweg um Hochprozentiges, meist Ammerländer Löffelschnaps, also Korn. Keiner von uns kommt aus der Nummer heraus. Es gibt dazu auch nur ein Schnapsglas, das für jeden neu gefüllt wird und vor Bernhard ausgetrunken werden muss. Das erste Glas hinterlässt bei mir schon seine Wirkung…

Nach getaner Arbeit folgen wir in die gute Stuve und werden reichhaltig mit Schnittchen versorgt sowie…. Bier und Schluck! Dabei reden wir von allen möglichen Dingen, die in der Nachbarschaft passiert sind. Ich habe bereits Mühe, nicht zu lallen.

Ich erinnere mich auch nur noch wenig daran, wann wir nach Hause gekommen oder wie wir nach Hause gekommen sind.

Regen durchflutet meinen Wagen

Fest steht, als wir nach Hause kommen, regnet es Bindfäden und das Dach meines Cabriolet steht komplett offen – der Regen durchflutet meinen heißgeliebten Wagen! Wahrscheinlich auch schon über Stunden! Wir trauen unseren Augen nicht und erklären können wir uns diesen Umstand noch viel weniger.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich irgendwann einmal zu uns rübergelaufen bin, um Bindedraht für die Girlande zu holen. Ich ahne, dass er seitdem offen gestanden hat. Ich kann nur mutmaßen, dass ich irgendwie, grobmotorisch wie ich bereits zu diesem Zeitpunkt schon war, an meinen Schlüssel gekommen bin und damit das Verdeck ausgelöst habe.
Wir denken an dem Abend nicht weiter darüber nach, schließen kurzerhand das Verdeck und sehen lieber zu, in unser Bett zu kommen.

Am Sonntag sind wir alle, um 11 Uhr zur eigentlichen Feier, der goldenen Hochzeit von Waltraud und Bernhard, in einer ländlichen Mühlengaststätte eingeladen.

In der Mühle treffen sich sonntags übrigens auch immer die Boßelspieler. Ihr kennt kein Boßeln?

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Boßeln bezeichnet das Rollen (ähnlich dem Kegeln) von Holz- oder Gummikugeln auf Asphaltstraßen zweier Mannschaften gegeneinander. Die Mannschaft die es schafft, mit weniger Würfen ins Ziel zu gelangen, hat gewonnen. Fürs Boßeln werden normale Straßen einfach gesperrt oder man muss als Autofahrer einfach aufpassen, umsichtig fahren und damit rechnen, dass eine Kugel das Auto treffen könnte…
Für diese Treffen steht auch immer ein Bollerwagen mit Proviant und Getränken bereit  und… natürlich auch Bier und Schluck.

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Schön ist es in geselliger Runde bei Mittagessen und anschließendem Kaffee und Kuchen verwöhnt zu werden. Unser Geschenk kommt bei Waltraud und Bernhard auch gut an.

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Ich vermeide jedoch das Hochprozentige am besagten Sonntag und bleibe zum Mittagstisch beim Bier.  Mit allen zusammen zu feiern, über Dies und Das zu reden und dabei das Essen zu genießen, bereitet uns viel Spaß.

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Unsere Nachbarn

Mit Fug und Recht können wir behaupten, viele nette und hilfsbereite Nachbarn um uns herum genießen zu können. Jeder passt auf Jeden auf ohne aufdringlich zu wirken. Das ist so wohltuend, das man es selbst erleben muss, um es zu verstehen.

Inzwischen wird jeder verstehen, was ich mit Ebbe und Flut im Zusammenhang mit unserer Nachbarschaft meine 😉 Fest steht, wir müssen noch Abtüdeln………

 

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