Zuwendungsfrust – was läuft schief

Wenn man gefühlt dauernd mehr gibt, als man nimmt, ist man früher oder später am Ende. Der häufige Blick auf die Uhr, Mühe bei der Zuwendung, Unlust und Ungeduld und schlussendlich Zynismus und Leere sind Symptome für das allmähliche Ausbrennen derer, die das Wohl der anderen vor das eigene stellen. Erschöpfung und psychosomatische Leiden sind untrügliche Zeichen, dass man zu schwach wird für den willigen Geist.

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versus….

Altruismus. Jeder kennt das Wort. Ist man altruistisch, bedeutet das in unserer Alltagssprache, man ist selbstlos und man nimmt Rücksicht auf andere Denk- und Handlungsweisen und stellt sich selbst selbst nicht an erster Stelle. Das altruistische Handeln muss nicht mit einem unmittelbaren Nutzen oder Gegenwert verbunden sein. Ich handle selbstlos und der Aspekt des Ziels der Handlung, die aus Selbstlosigkeit erfolgt, bleibt dabei unberücksichtigt. Die Zurückstellung der eigenen Anliegen bis hin zur Selbstaufopferung bedeutet die reine Selbstlosigkeit zu zelebrieren.

 

Beißen sich die beiden Aussagen – führt Altruismus unweigerlich dazu, irgendwann ausgebrannt zu sein? Wo liegt der Knackpunkt, um Gefahr zu laufen, erschöpft zu sein, nicht mehr fähig zu sein, die eigenen Anliegen für andere zurückzustellen? Und welche gesellschaftspolitischen Folgen sind damit verbunden?

Ich vertrete, davon ausgehend, dass der Altruismus in verschiedenen Ausführungen präsent ist, eine eigene Theorie.

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Ein moralischer Altruist handelt prinzipiengeleitet altruistisch. Im Grund genommen ist er kein verinnerlichter oder besser gesagt kaum noch biologischer Altruist. Im Mittelpunkt derer, steht Gerechtigkeit. Der moralische Altruist handelt altruistisch, um der Gerechtigkeit willen. Der Einsatz für Menschen aktiv zu werden, die ungerecht behandelt werden oder sozial benachteiligt sind, geschieht bei Helfenden aus der  moralischen Überzeugung heraus. Wunderbar!

Ein biologischer Altruist handelt und lebt selbstlos. Er kennt nichts anderes, er ist Menschenfreund.Ich kann jedoch kein biologischer Altruist werden, ich bin es. Wenn ich es nicht mehr bin, kann ich es auch nicht mehr werden oder ich war es einfach nie.

Es reicht nicht jedem aus, als moralischer Altruist das Motiv zu haben, den Erwartungen der Mitmenschen zu entsprechen. Irgendwann, nicht für jeden – aber für all die darunter leiden – entsteht aus einem moralischen Antrieb heraus ein ausgebranntes Wesen.

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Aber dazu muss ich noch tiefergreifende Erläuterungen walten lassen. Der moralische Altruist ist erklärt. Doch wie verhält es sich denn mit einem biologischen Altruisten? Jeder Mensch wird rein geboren – der Mensch ist auf Kooperation, auf Miteinander, Liebe, Hilfe und auf Altruismus ausgelegt. Wir sind nur auf dieser Erde erfolgreich, weil wir die Fähigkeit der Sozialkompetenz besitzen, also sich in andere einzufühlen, mit anderen kommunizieren zu können und sich um andere zu kümmern. Es ist völliger Blödsinn, an der Meinung festzuhalten, der Mensch ist von Natur aus egoistisch und brutal. Heute sind solche Meinungen widerlegt, man weiß, der Mensch ist dann glücklich, wenn er für andere da sein kann. Der Mensch ist daher von Natur aus gut. Der Mensch besitzt den Altruismus als etwas ganz Natürliches.

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Doch wir haben, nach meiner Meinung, als Gesellschaft einen großen Fehler gemacht. In unserer Erziehung wurde immer danach gestrebt, die Bosheit des Individuums zu bekämpfen, anstatt durch eine natürliche und liebevolle Erziehung das Gute im Menschen zur Entfaltung kommen zu lassen. Schuld daran ist unser Egoismus, den der ist der Gegenspieler vom Altruismus.

Wir sind denkende Wesen, können eins und eins zusammenzählen und uns eine passende Strategie ausdenken. Große Führer dieser Welt, ob religiöse oder politische, sind Strategen auf ihrem Führungsgebiet gewesen. Nur mit einem passenden Konzept nämlich, war es möglich, die Mehrheit auf ihre Seite zu bekommen. Was Gandhi einst mit völliger Hingabe und eben biologischem Altruismus möglich war, hatten andere erfolgreich mit purem Egoismus und Selbstverherrlichung geschafft – sie schaffen es ja noch heute. Die Strategie führte und überzeugte und die zahlreichen Anhänger sind wie dumme Schafe mitgelaufen, in der Hoffnung stark und besser zu werden und sie verendeten direkt im Verderben. Das Böse war geboren – das Selbige musste bekämpft werden. Denn all die Überlebenden nahmen aus der Tyrannei mehrheitlich nur eine Erkenntnis mit, die Bosheit muss bekämpft werden, um solche Schandtaten in der Zukunft zu vermeiden.

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Und hier schließt sich der Kreis. Aus diesen Erfahrungen der Angst, so etwas nicht mehr erleben zu wollen, nahmen wir eins mit: Erziehe deine Kinder so, dass ihn jegliche Bosheit ausgetrieben wird. Was für ein kapitaler Fehler!

Denn ab diesem Zeitpunkt wurden unsere Vorfahren mit dem Auge der Bosheit erzogen. Wo man Bosheit unterstellen will, muss man Bosheit erkennen. Und wer erkennt Boshaftigkeit? Nur die, die das verinnerlicht haben und kennen. Der erzkonservative und autoritäre Erziehungsstil ohne jeglichen pädagogischen Ansatz verdrängt den biologischen Altruismus und ersetzt ihn durch Egoismus. Fortan sind Kinder angeregt, egoistische Qualitäten den Vorrang zu geben, um Strafen zu meiden. Kirschen vom fremden Baum zu pflücken war nun nicht mehr damit verbunden, sich zu entschuldigen oder wieder gut zu machen, wenn man erwischt wurde. Sondern ab da hieß es, die Hand zu spüren, wenn man erwischt wurde. Auf Vergehen erfolgt Gewalt. Dem zu entgehen, bedeutete für viele, egoistisch zu handeln. Der Nachbar darf mich nicht erwischen, sonst drohen drakonische Strafen. Lasst uns daher eine Strategie entwickeln, dass er auch nicht die Gelegenheit dazu bekommt. Gelebter Altruismus ade. Wer wagt, der gewinnt, war nun die Maxime.

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Natürlich gibt es bis heute Philanthropen, also Menschenfreunde – pure Altruisten. Doch die Mehrzahl der positiv eingestellten Menschheit bewegt sich in einem Modus, zwischen Egoismus und Altruismus – ergo, die Mehrzahl sind und bleiben moralische Altruisten. Theoretisch wird von mir gefordert, mich mitfühlend, zuvorkommend, helfend zu verhalten. Es tut mir auch gut, zu helfen und da zu sein. Ich bin altruistisch, weil ich weiß, was verlangt wird – es ist eine Verpflichtung geworden, zu helfen… was dabei herauskommen kann, steht in meinem ersten Absatz geschrieben.

Ich bin froh, dass es die moralischen Altruisten gibt, gar keine Frage. Altruismus ist der  Gegenspieler für Egoismus. Solange wir uns im Gleichgewicht dessen bewegen, werden wir wohl unser Dasein auf diesem Planeten irgendwie auf die Reihe bekommen. Die Gefahr ist jedoch 50 zu 50, dass das gut geht. Zurückentwickeln können wir uns mit diesen negativen Erfahrungen nicht mehr – die genetische Disposition ist schon lange gelegt. Inzwischen sind wir auf moralische Altruisten angewiesen – doch gerade sie haben nur Kraft, wenn sie auch etwas zurückbekommen. Sie sind nicht selbstlos wie Philanthropen. Sie brauchen Nahrung wie Anerkennung, um ihr bzw. unser gemeinsames Ziel zu erreichen: Frieden aufrecht zu erhalten, Liebe zu spüren und schenken, Glücklich zu sein und die Fähigkeit zu entfalten, Mitgefühl zu verspüren.

Wir werden jedoch aus unseren Fehlern, die wir einst gemacht haben und tagtäglich vollziehen, nur lernen, wenn wir das große Ganze betrachten – das heutige Ergebnis an Erfahrungen und die Konsequenz daraus ist die Lösung für ein friedliches Miteinander in der Zukunft.

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Es ist gut, im Hier- und Jetzt zu leben. Ständig mit der Vergangenheit zu hadern bringt uns nichts, außer Frustration. Trotzdem sollte ein ernsthafter Blick in die Vergangenheit erfolgen. Hinter uns liegen nicht nur gute Zeiten. Jeder einzelne hat Erfahrungen daraus mitgenommen und richtet auf Grundlage dessen, sein heutiges Leben danach aus. Die Frage kann man sich daher gut und gerne stellen, ob die Konsequenzen, die ich aus den mannigfaltigen Erfahrungen gezogen habe, auch die richtigen für die Gegenwart sind. Fühle ich mich heute psychisch und physisch nicht gut, erfolgt in meiner Familie nur Punk, läuft das Arbeitsleben nicht rund, ecke ich ständig mit Menschen an? Dann ist der Blick in die Vergangenheit und die Bereitschaft etwas daraus zu lernen und zu ändern in jedem Fall der Schlüssel für ein friedliches Leben in der Zukunft.

Schließlich schulden wir unseren Kindern und Kindeskindern ein unbeschwertes, sicheres, friedliches und glückliches Leben in der Zukunft. Wer soll sonst den Grundstein  dafür legen, wenn nicht wir alle?!

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Anmerkung:
Um das Thema allumfassend und mit allen Aspekten zu erläutern, bedarf es ein ganzes Buch. Ich konnte das Thema folglich in diesem Artikel nur anreißen, viele Aspekte sind nicht zur Sprache gekommen und  bleiben daher erst einmal unberücksichtigt.

 

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