Dakini – die weibliche Weisheit — rangdrol’s Blog

„Vajravarahi Mandala“ (Tibet, 19. Jh.)

Der tibetische Begriff „mkha‘ ‚gro“ (sprich: Khandro oder Khadro) setzt sich aus den Silben „mkha‚“ (Himmel) und „‘gro“ (umherziehen, wandern) zusammen und meint ein Wesen, das am Himmel umherwandert. Daher wurde die Dakini schon öfter auch als „Himmelstänzerin“ oder „Himmelswanderin“ bezeichnet. Rasch tauchen einem da Bilder von am Himmel fliegenden Hexen auf. Durchaus eine Möglichkeit […]

Dakini – die weibliche Weisheit — rangdrol’s Blog

Als ich den Artikel lese, wird mir klar, dass ich mein Leben gelebt und erlebt habe. Nein, jetzt nicht falsch verstehen… bitte weiterlesen.

Mein inzwischen verstorbener, ehrenwerter Lehrer, Tenga Rinpoche übersetzte mir meinen Zufluchtsnamen: „Karma Rigzin Lhamo“ mit „Wisdom Dakini“. Das war im Jahr 1998 (kurz nachdem mein Papa verstorben war) – also vor gut 21 Jahren 😳. Ich kann mich noch sehr gut an meine zweite Zuflucht erinnern, denn ich war glücklich und dankbar, dass ich eine Schülerin von Tenga Rinpoche sein durfte.

Das Praktizieren fiel mir leicht und es machte eine Menge Spaß im Shanga (in der Gemeinschaft) zu praktizieren. Es schenkte mir ein gewisses Maß an buddhistischer Ausrichtung und inneren Frieden.

Doch irgend etwas warf mich gänzlich aus meiner buddhistischen Bahn

Ich weiß nicht mehr genau, was es war. Mein Vater verstarb nach langer Krankheit (Alzheimer) am 1.9.1998. Ich trennte mich 2002 von meinem drogensüchtigen Ehemann. Wenig später lernte ich einen Mann kennen, mit dem ich gemeinsam durch die Hölle ging – die Beziehung war der reinste Horror (beiderseitiges Unvermögen) und damit verbunden, dass ich irgendwann Insolvenz anmelden musste und mich psychisch deutlicher am Abgrund bewegte, als je zu vor. Ich schaffte es trotzdem, aus dem Dilemma herauszukommen. Meinen damaligen Freund heiratete ich 2008 (aus unserem Horror wurde eine glückliche Ehe, die im Übrigen bis heute Bestand hat – und ich liebe ihn, ich bin so dankbar, dass wir uns zusammenraufen konnten!). Ich hatte mich bereits so gefestigt, dass ich einem wunderbaren Beruf nachging. Schon allein die Firma und dessen Mitarbeiter gaben mir den notwendigen Halt, um mich Stück für Stück aus dem übrig gebliebenen Schlamassel heraus zu bewegen. Mein Chef (unbarmherzig erschien er mir… und doch war er mit so viel Tiefsinn belegt, dass er es schaffte, mich kämpfen zu lassen – DANKE!) schenkte mir die notwendige, aber nicht unreflektierte Anerkennung, die für meine verantwortungsvollen Aufgaben in der Kundenzufriedenheit notwendig waren.

Ab 2010 stieg ich dann, parallel zu meinem Beruf, in unser eigenes Unternehmen ein. 2011 arbeitete ich gute 90 – 120 Arbeitsstunden in der Woche (Vollzeit-Tätigkeit und Selbstständigkeit). Urlaub gab es nicht, meine Urlaubstage brauchte ich, um meiner eigenen Firma gerecht zu werden. Im März 2012 verstarb dann meine Mutter nach langer Krankheit (Parkinson und völlig verwirrt). Im Juni 2013 folgte ihr mein erster Mann – das schwere Krebsleiden und die Drogensucht hauchten ihm sein Leben mit 47 Jahren aus… Meiner Arbeit und den vielen Aufgaben habe ich es zu verdanken – sie füllten meine innere Leere aus und gaben meinem Leben den notwendigen Sinn und Halt. Ich hatte überhaupt keine Zeit, um über alles, was passiert war, nachzudenken.

Das Leben rauschte nur so an mir vorbei. An praktizierenden Buddhismus war überhaupt nicht zu denken

Trotzdem blieb der Buddhismus für mich immer gegenwärtig. Er ist bis zum heutigen Tag präsent und begleitet mich, egal wo es gerade hingeht. Ich sorge stets dafür, dass er präsent ist. In meinem Büro hängen meine Thangkas (Bilder: Wohnort einer Gottheit) und mein Schrein steht hinter mir. Die Thankas von Jamyang Drongpa und meinen buddhistischen Altar erwarb ich vor 20 Jahren, als Tenga Rinpoche und Jamyang Drongpa sie aus Nepal mitbrachten. Alles wurde sorgfältig von Tenga Rinpoche gesegnet und seitdem begleiten mich diese Heiligtümer auf meinem Weg.

Ende 2015 stand ich vor der Entscheidung, entweder meinem Traum zu folgen, oder weiterhin in der Firma in Vollzeit zu bleiben. Ich wollte schon immer auf einem Hof leben, viel Platz haben und in der Nähe vom Meer leben. Irgendwann verwarf ich meinen Traum, schließlich konnte in meinem Alter mein Traum einfach nicht mehr erfüllbar sein. Doch es kam alles anders. Plötzlich stand ich auf meinem Hof in Bad Zwischenahn. Ich brauchte eine viertel Stunde, um zu wissen, hier bleibe ich, das ist meine Heimat, hier möchte ich alt werden. Ich kündigte meine Anstellung schweren Herzens, um mich voll und ganz auf unsere eigene Firma zu konzentrieren.

Auf unserem großen Gelände stehen überall Buddha-Statuen, die mich im Augenblick der Vergegenwärtigung, ein Stück weit verinnerlichen lassen.

Eine Kerze angezündet, ein kurzes Mantra rezitiert und weiter geht’s.

Und trotzdem, mein Rückblick lässt mich erschaudern. Es ist so extrem viel Zeit vergangen. Und die Zeit rauscht immer noch an mir vorbei. Erst seit letztem Jahr wird es etwas ruhiger, da ich mittlerweile mehr den administrativen Bereich übernommen haben. Ich passe auf Haus und Hof auf, werkle hier herum, baue Stände, kümmere mich um das große Gelände und um unsere beiden Hunde. Gesundheitlich hat es mich ein wenig nach hinten geworfen – momentan plagt mich meine rechte Schulter. Ich bekomme den Arm nicht mehr hoch und bin dadurch in meinem Tun deutlich eingeschränkt. Aber auch dafür ist hoffentlich eine Lösung in Sicht. Mir geht es daher recht gut.

Alles was ich allerdings „geparkt“ hatte, ist wieder präsent. Daher schreibe ich auch diesen Blog, um mich noch einmal zu konfrontieren, um Dinge aufzuarbeiten, für die ich all die Jahre keine Zeit hatte. Mein ehemaliger Chef sagte mal zu mir, ich müsse alles wieder hochkommen lassen – noch einmal hindurchgehen, egal wie schwer oder schmerzhaft es sei, um es zu verarbeiten. Er sollte damit Recht behalten.

Es war klar, dass auch mein Teil, Buddhistin zu sein, mich irgendwann einholen und anklopfen wird. Ein Wisdom Dakini bin ich und habe es nie wirklich zu schätzen gewusst, weil mein Leben mich in Anspruch genommen hat, oder ich das Leben. Heute wird mir die Tragweite erst so richtig bewusst. Tenga Rinpoche hatte es einst in Worte gefasst: „Ich werde vieles leben müssen, ob es mir Recht ist oder nicht“. Er hatte durchaus damit Recht.

Ich schäme mich ein wenig… Tenga Rinpoche ist seit vielen Jahren tot. Ich bekam, in meinem Lebensstrudel verfangen, überhaupt nicht mit, wie es um ihn stand. Ihm muss man Finger und Unterschenkel amputiert haben… nichts davon bekam ich mit, weil ich einfach mit mir zu sehr beschäftigt war. Ich war es auch, als Tenga Rinpoche gestorben ist. Erst zwei Jahre danach – ich war völlig entsetzt darüber, erfuhr ich von seinem Tod. Unglaublich – aber leider sollte es wohl so sein. Die wenigen Male, die ich ihn erleben durfte, fühlen sich nicht ausreichend an und doch sind sie es. Es wurde alles gesagt, er bereitete mich auf meinen Weg sorgsam vor. Danke verehrter Tenga Rinpoche – ich bin ewig dankbar dafür!

Momentan wandle ich wieder in dem Bewusstsein, Karma Rigzin Lhamo zu sein, auf dem Weg zwischen irdischem Dasein und Erleuchtung. Hört sich dramatischer an, als es ist. Es ist spirituell, hat nichts mit Esoterik zu tun und es würde den Rahmen sprengen, Ihnen das in Kürze erklären zu können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: