Da war da noch der Donatello

Man möge ja jetzt meinen, es handle sich bei Donatello um meinen Zweitmann oder um einen Seitensprung. Ich muss euch enttäuschen, Donatello ist alles andere als das. Aber seine Augen, die haben mich gleich verzückt.

Ich bin mit Georgia spazieren, als Donatello uns begegnet. Ich sehe ihn schon von Weitem. Es wird mir sofort klar, dass ich handeln muss. Sein Äußeres ist schwarz, sein Inneres auch und verziert mit gelben Streifen.

Warum in aller Herrgotts Namen begegne ich ihm gerade hier? Es ist heiß an diesem Tag, nirgends ist Wasser in der Nähe und trotzdem begegnen wir Donatello auf einem trockenen Feld der Baumschule, völlig ungeschützt. Er würde nicht lange bei diesem unwirklichen Klima überleben.

Wir nähern uns ihm und schauen uns an, als wir vor ihm zum stehen kommen. Scheinbar ist er froh, dass wir uns Mühe machen, über seine Existenz nachzudenken. Georgia, meinen Hund, registriert er. Er akzeptiert sofort, dass es ohne Hund gerade nicht geht. Sein Plan gerettet zu werden, scheint sich zu erfüllen. Denn ich berühre ihn, schaue ihn mir von allen Seiten an, um zu checken, ob es ihm gut geht. Er gibt sich gar nicht die Mühe, sich großartig zu verstecken.

Ich bin erstaunt, was ist passiert, dass ich Donatello ausgerechnet hier begegne? Und wieso gibt er die Deckung des Waldes auf, um geradewegs aufs offene Gelände zu laufen? Sucht er womöglich eine Begleiterin?

Georgias und mein Blick treffen sich – es braucht keine Sekunde und unser Entschluss steht fest. Donatello muss mit!

In diesem Moment wissen wir noch nicht, dass er Donatello heißt. Aber wir wissen, dass es seinen Tod bedeuten würde, wenn wir ohne ihn weitergehen würden. Ich hebe daher Donatello auf. Er schaut mich auf dem Nachhauseweg neugierig an, goldiges Kerlchen! Er hat dunkle Kulleraugen und sieht echt niedlich aus.

Zuhause angekommen, poste ich sofort meinen Fund in diversen sozialen Medien und berichte davon bei allen naheliegenden Tierheimen und Tierärzten. Als ich gewahr werde, dass er kein Landei ist, sondern das Wasser bevorzugt, richte ich ihm sein behelfsmäßiges Zuhause ein. Schwupp springt er ins Wasser und scheinbar ist die Welt für ihn in diesem Moment mehr als in Ordnung.

Ja, wer ist nun Donatello? Er ist eine Schmuckschildkröte, sein Lebensraum besteht vorwiegend aus Wasser – er will halt schwimmen. 😉

Georgia akzeptiert ihn sofort… sie schaut ab und an neugierig, ob mit ihm noch alles ok ist.

Ich hingegen suche nach seinen Besitzern. Abends, als ich schon fast beschließe, dass Donatello nun bei uns bleibt, erreicht mich die Nachricht von Elke. Es sei Donatello! Elke schickt mir gleich ein Bild und es ist sofort klar, dass es sich dabei nur um Donatello handeln kann.

Damit habe ich wirklich gar nicht gerechnet. Es gibt so viele Schmuckschildkröte, die einfach ausgesetzt werden, weil sie doch nicht das erwünschte Kuscheltier darstellen oder die Urlaubszeit naht und man nicht weiß, wohin damit.

Aber die Geschichte ist noch kurioser. Donatello ist nämlich schon einmal abgehauen. Und die Finderin von einst, durfte Donatello behalten, weil sie einen großen Schwimmteich für ihn bereitstellen konnte. Doch Donatello haute auch von da ab. Elke sagt, sie hätte mit der Schwimmteichfrau gesprochen – Donatello wäre schon ein Jahr vermisst.

Ein Jahr nun hat er draußen überleben können! Elke erklärt sich sofort bereit, Donatello wieder aufzunehmen – welch eine Freude! Am nächsten Tag kommt Elke mit Familie und Donatello freut sich scheinbar. Er geht alles andere, als in Deckung. Er strampelt aufgeregt in seinem Panzer und reckt seinen Kopf heraus. Seine Kulleraugen schauen uns an.

Ich glaube, Donatello freut sich auf sein altes, neues Zuhause.

Tschüss Donatello, es war schön, dich kennen gelernt zu haben!

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